Der härteste Job der Welt | Arbeiter im Mount Ijen, Indonesien

Etwas hilflos stehe ich 3 Uhr nachts im Dunkeln mit meiner mickrigen Taschenlampe vor den Arbeitern im Schwefelvulkan Mount Ijen. Hunderte andere Taschenlampen klettern in einiger Entfernung noch den Krater hinab und bewältigen die letzten Meter der anstrengenden Wanderung, um einen Blick auf das berühmte blaue Feuer im Krater zu erhaschen. Menschen der verschiedensten Nationen wandern neben, hinter und über mir in dem Gestein umher und versuchen den bestmöglichen Platz für ein Foto zu bekommen, ohne sich dabei zwischen den rutschigen Steinen etwas zu brechen. Es ist laut und wird gedrängelt, die Lichter der Taschenlampen flitzen hektisch durch die Gegend und Asiaten knipsen fleißig mit Smartphone und Blitzlicht in der Weltgeschichte umher.

Ich stehe immer noch an einem der dichtesten Punkte zum blauen Feuer und weiß nicht so richtig, was ich mit der Situation anfangen soll. Meine Gasmaske hält, so gut es geht, die Schwefeldämpfe ab, die sich schnell und stark ausbreiten und das blaue Feuer leider größtenteils verdecken. Kurz vor den Dämpfen und nur ein paar Meter von mir entfernt verrichten indonesische Männer Schwerstarbeit. Sie bauen Schwefel ab. Ich fühle mich wie im Zoo, als ich mit hunderten anderen Touristen beobachte und fotografiere, wie sie immer wieder (ohne Gasmaske) in dem Dampf verschwinden und in Rohren herumstochern, die in die Kraterwand verbaut sind. Daraufhin zerklopfen sie die großen Schwefelstücke und hiefen sie in 2 Körbe, die links und rechts an einem Holzbrett befestigt sind. Diese Konstruktion wiegt dann mal mit gefüllten Körben schlappe 70 bis 80 Kilo.

Ja liebe Freunde und wie kommt der Spaß jetzt aus dem Krater heraus und den Berg wieder runter?

Jawoll, die Arbeiter tragen die schweren Schwefelblöcke in dieser improvisierten Holztrage auf ihren Schultern eben mal 900m einen steilen, steinigen Weg hoch, raus aus dem Krater und dann 3km den Berg runter. Wer Indonesier kennt, weiß, dass diese nicht gerade groß und muskulös sind. Die schmächtigen, teilweise schon sehr alten Menschen tragen also täglich zwei mal 80kg Schwefel auf ihren Schultern den Vulkan hoch und runter und verdienen dabei pro Kilo 900 indonesische Rupien (ca. 6ct).

Um sich noch etwas dazu zu verdienen, verkaufen die Arbeiter, während sie sich mit schwerem Gepäck durch die Touristenströme schlängeln, kleine Souvenirs, lassen Fotos für Geld von sich machen und bieten an, Touris in kleinen Karren den Vulkan hoch und runter zu kutschieren (“You need Taxi?”). Der Weg ist schon zu Fuß und ohne Gepäck beschwerlich und geht teilweise super steil bergauf, bergab und über Stock und Stein. Einige von den Arbeitern flitzen mit Flip Flops, 80 Kilo Schwefel-Trage-Konstruktion auf halber Schulter und Kippe in der Hand den Berg runter an uns vorbei, während wir mit hochwertigen Schuhen und Kamera um den Hals wie gehbehinderte Schildkröten den Berg hinunter kriechen und uns fast die Beine brechen.

Ich weiß wirklich nicht, wie sie das machen und für mich grenzt das ehrlich an Zauberei.

Das zu sehen war der Ausflug zum Mount Ijen auf jeden Fall Wert. Trotzdem ist das eine völlig absurde und fragwürdige Situation in der man sich dort befindet. Mit vielen anderen Menschen guckt man dort den Arbeitern beim schwitzen zu, bemitleidet sie, nachdem man ihr Tagesgehalt ausgerechnet und erfolglos versucht hat, den Schwefel anzuheben und schießt Fotos als Andenken.

Eine völlig verrückte und überwältigende Erfahrung, von der ich aber immer noch nicht sagen kann, was ich von ihr halten und wie ich sie bewerten soll. 

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4 comments

  1. Ganz toller Beitrag! Ich wusste zu dem Thema bisher noch nicht viel und finde es super, wie du alles beschrieben und gezeigt hast. Woher hattest du die Gasmaske? Gab es die vor Ort?

    Liebe Grüsse
    Anni

    1. Danke dir! Ja man kennt solche Bilder und Eindrücke ja nur aus Schulbüchern oder vielleicht aus Dokus. Aber den Menschen dann direkt gegenüber zu stehen und in die Augen gucken zu können, ist schon etwas völlig anderes und echt krass. Wir haben die Tour über unsere Unterkunft gebucht und die Gasmaske dann von unserem Guide bekommen.

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